Idsteiner Leder

Die Verarbeitung der Tierhäute zu Leder mit Hilfe von Gerbstoffen ist den Menschen aus der Altsteinzeit (ca. 8000 v.Chr.) bekannt. Es gilt als sicher, dass die Fettgerbung (Sämischgerbung) schon in der Jungsteinzeit (ca. 6000 v.Chr.) angewendet wurde. Auch die Rauchgerbung über dem Feuer und die mine- ralische Gerbung mit Alaun (Weißgerbung) dürften sehr alte Gerbarten sein. Das Gerben mit pflanzlichen Mitteln (vegetabile Gerbung) ist seit der Bron- zezeit ( ca. 2000 v.Chr. ) nachweisbar, wobei hauptsächlich die Rinde von Eichen und Buchen als Gerbmittel verwendet wurden. Diese Lohgerbung wurde traditionell im Mittelalter angewandt. Aus diesen Anfängen entwickelte sich mit fortschreitender Zivilisation und Wissenschaft ein Handwerk und später ein Industriezweig. Seit 1900 ist die Chromgerbung mit Chromsalzen die wichtigste Gerbmethode, da sie eine kürzere Laufzeit hat als die Loh- gerbung, die sich bis zu 15 Monaten hinziehen kann.Nach dem Gerben läst sich an Hand der Farbe des Leders, vor der eigentlichen Färbung, die Gerbart erkennen. Die Lohgerbung bringt rot-braunes, die Sämischgerbung gelbliches, die Alaungerbung fast weißes und die Chromgerbung silbergraues Leder hervor.

Das Idsteiner Ledergewerbe lässt sich bis ins 17. Jhdt. zurück verfolgen. Es gab zuerst nur Loh- oder Rotgerber. Die Loh- gerber wurden "Löher" genannt. Sie wohnten in der nach ihnen benannte Löhergasse, vorher "Neugasse" gehießen. Durch sie floss damals noch der Wörsbach. Dieser jetzt unterirdisch fließende Bach verlief weiter quer über die Rodergasse nach Norden.

oben in den Kreisen: Charakteristische Dachformen der Trockenhäuser der Lohgerber (Rotgerber) im Wörsbachtal, rechts das jetzige Gerberhaus nahe der Unionskirche.

Die Entwicklung der Idsteiner Lederindustrie bis zu den modernen Fabriken (unten) in der Mitte des 20. Jahrhunderts wird auf den nachfolgenden Seiten geschildert

Lederfabriken Mitte der 50er im 20. Jahrhundert 1 Landauer & Donner 2 Trinkaus  3 Pfaff 4 Lückel  5 Berninger
Eine zweite Lederfabrik “Lückel” befand sich am Ortsausgang nach Norden, außerhalb des unteren linken Bildrandes.